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31.07.-02.08.2025: FULL REWIND Summer Open Air

On: 16/08/2025
FULL REWIND SUMMER OPEN AIR FULL REWIND SUMMER OPEN AIR

Als wir auf den Acker fahren, strahlt die Sonne. Schon in der Warteschlange gab es ein kühles Bier, Staub kommt auf, immer wenn sich unsere Autos in der Schlange nach vorn schieben. Die Begrüßung an der Kontrolle ist herzlich. Unsere Tickets werden gesichtet, Parktickets gekauft. Die Security sind bester Laune, filzen unser Auto gründlich. Dann fahren wir weit vor. Rechts von uns der See sieht verlockend aus. Doch wir rollen an den Toilettenanlagen und der Bar vobei in Richtung Infield, kommen in Sichtweite vom Einlass zum Stehen. Wir orten den Erdbeerbowle-Stand, die Absintherie Sixtina und einen Burgerstand sowie das Partyzelt. Erste Musik wird aufgespielt. Als wir mit aufbauen fertig sind, kommen wir mit ersten Gästen ins Gespräch und stürzen uns ins Getümmel.

Entspannt ist es, auch dem Full Rewind. Gäste, Bereiber der Stände, Secus oder DJs, alle haben Strahlelaune. Sogar Menschen, die von mobilen Toiletten kommen, lächeln. Also verbringen wir den Mittwoch mit ihnen, tanzen Polonaise, moshen vor dem DJ-Pult, trinken Absinth mit Sekt und fallen irgendwann vorfreudig ins Bertt.

Donnerstag

Als gute Festivalgänger gaben wir natürlich der ersten Band die Ehre. Polar spielten auf und für uns gab es Eiskaffee und das erste Bier aus der Infield-Zapfe. Lecker! 

Der Einstieg ins Line-Up fiel alles andere als zurückhaltend aus. Mit ihrem modernen Hardcore-Sound, massiven Breakdowns und düsterer Atmosphäre setzten sie früh ein klares Statement. Trotz früher Slot-Zeit war die Crowd schnell wach und nahm die aggressiven Grooves dankbar an.

Attila schafften es nicht mehr rechtzeitig zu ihrem Auftritt, stattdessen gaben sich The Defect die Ehre. Moon McBee, ihres Zeichens Frau von The Browning Sänger Jonny McBee, mit dem gemeinsam sie dieses Trancecore-Projekt schuf, waren ein würdiger Ersatz! Hier wie auch zu The Browning, die irgendwo zwischen Deathcore und Elektroparty aufspielten, wurde es wild und das Publikum kam in Fahrt. Mit "Blue (Da Ba Dee)", einem Track von Eiffel 65, zu dem ich im Ferienlager auf der Disko getanzt habe, kriegten die US-Amerikaner uns. Gemeinsam mit anderen schwangen wir die Hüften. Hätte die nächste Band im Line-Up, Nile uns dabei gesehen, hätten sie bestimmt geschimpft. Mit technischem Death-Metal fegten sie die Sonne weg, viele Teile des Publikums stellen sich am Bierwagen unter und vor der Bühne wird es leer. Trotzdem sie liefern, was man von ihnen erwartet, ist die Stimmung weniger ausgelassen. Eine Situation, die sich bei Agnostic Front ganz schnell ändert.

New York Hardcore mit ganz viel Spaß lässt die Besucher in kleinen Moshpits von den Bierständen zurück vor die Bühne wandern, zu "For My Family" stellen sich trillionenfach Armhaare auf, während Chorgesänge angestimmt werden. Spätestens bei "Gotta Go" ist kein Halten mehr, Akt und Jung tanzen wir verrückt und wollen die Band, die den Ramones-Klassiker Blitzkrieg-Bob als Encore geben, kaum von der Bühne lassen. So geht das, Full Rewind!

Die nächste Band, Rise Of The Northstar, haben wir zuletzt in einem Zirkuszelt gesehen und fanden das Japan-Thema mit den angedeuteten Kirschbäumen höchst interessant. Leider entstehen zwischen den durchaus toll performten Songs der Kombo immer wieder Pausen mit Musik vom Band und jede Stimmung, die aufkommt, ist schnell wieder dahin. Zeit für ein Abendessen also. Am Asia-Stand gibt es alles, was das Umami-gierige Herz begehrt und so schmausen wir hier für einen guten Preis durchaus sättigend und ausgewogen. Empfehlung!

Mit Nailbomb sehen wir Max Cavalera wieder, der mit einer Art Supergroup (mit u.A. Dino Cazares von Fear Factory oder Andreas Kisser von Sepultura) in den 90ern maßgeblich eine CD veröffentllichte, die dann in ein Livealbum mündete, bevor sich die Band wieder auflöste. 20 Jahre später schien der Hass von Cavalera auf die Welt immer noch da, er brüllte ins Publikum, während Sohn Igor herumspringt und der Rest der Band eher im Hintergrund bleibt. Mit vielen Samples, wütend und authentisch. Diesen Schlag in den Nacken als Abschluss des ersten Tages haben wir verdient, gehen zufrieden ins Bett und freuen uns auf den Freitag, dessen Line-up uns durchaus mehr begeisterte.

Freitag

Lecker Frühstück, lecker Sonne, lecker Bierchen und dann spielen Manos auf. Besser kann ein Festivaltag kaum starten. zwischen Death Metal und Biene Maja singen und tanzen die Festivalbesucher, machen einen Sirtaki mit (gut für die Getränkestände, der Boden ist getränkt von Hopfenschorle) und sind ein Symbol dafür, wie in dieser Szene Festivals sein sollten: Mit genug Albernheit, guten Songs, harten Klängen, einer großen Gemeinschaft und Energie!

Wir fanden uns kurze Zeit später bei den Crushing Caspars wieder auf dem Infield ein, wo Snoopy und Co. Hardcore aus Rostock auf den Acker bringen, auf dem sie sich nach 40 Jahren als Band und etlichen Auftritten hier sichtbar heimisch fühlen. Harte Songs, herzliche Ansagen, viele lächelnde Zuschauer - spätestens bei Viva La Rostock sind Band und Gäste zufrieden und wie auch nach Manos die Stimmung freudig. 

Wir wechseln später die Location und sind wieder vor der Hauptbühne. Mit August Burns Red kommt eine weitere routinierte Liveband ins Line-Up, die die Menge anpeitscht. Mit einem Mix aus Klassikern wie "Composer", "Back Burner", dem Abschlussstück "White Washed" oder neuen Songs wie "Exhumed" drücken Sänger Jake Luhrs und seine Bandkollegen das Publikum an die Wand und sorgt für Circle Pits und in die Höhe gereckte Fäuste. So gut aufgewärmt war das Publikum bereit für Kataklysm, die in Roitzschjora genauso zu Haue sind wie auf anderen Festivals in Deutschland. Hier und auf dem Wacken spielen sie, Dampfwalze wie eh und je, mit Spaß und dennoch technisch perfekt. Die Kanadier gehören zu einer der fleißigsten Bands die wir kennen, bringen uns mit "The Ambassador Of Pain", "As I Slither" oder "Srippled And Broken" immer wieder zu purer Verzückung Sänger Maurizio Iaconos Bühnenpräsenz ist ebenso faszinierend wie das zur Setlist der Band immer wieder neue gefühlte Klassiker hinzukommen. Prädikat Toll Toll Toll!

Mit Quatsch begonnen, mit Quatsch wird der Tag auf der Hauptbühne enden. Knorkator spielen auf und mit ihnen der "Sieg der Vernunft". Stumpen, Alf und Co. waren oft hier auf dem Acker zu Gast, eine Gebühr für das Überziehen würde Stumpen gern bezahlen, versicherte er. Die Fans würden dies wahrscheinlich unterzeichnen, sahen geliebte Klassiker und neu arrangierte Songs mit Tim Tom (Sohn von Alf Ator), der zu "Böse" sang und auch Agnetha Ivers, die ihren Vater schon seit längerem bei gesamten Konzerten der Band live unterstützt. "Weg nach unten", "Ma Baker", "Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett" - wir sind nach dem Set leicht heiser und auch unser Fotograf, der wieder den Weg auf die Bühne fand und Nahaufnahmen der "Meisten Band der Welt" machte, sah nach dem Gig angestrengt aus. Übrigens: Stumpen musste nicht zahlen, trotzdem waren Band und Publikum dankbar, dass in Roitzschjora mit dem Rewind und Knorkator wieder zusammen kam, was zusammen gehörte.

Keine Zeit für Müdigkeit! Es gab noch einen Headliner zu sehen und auch die Knüppelnacht wollte gefeiert werden. 

Das große Banner von Machine Head machten uns etwas unruhig, hatten wir die Band eine Weile nicht gesehen und fanden die Liveauftritte zuletzt immer großartig. Während wir nervös von einem Bein auf das andere traten, brachte sich die Feuerwehr in Stellung und versprach Pyros und Hitze in dieser Full Fewind-Nacht. Und dann war es auch soweit: Banner fällt, Feuerwerk, Machine Head! Zwischen Songs wie "Is There Anybody Out There" und "Locust" fliegen Machine-Head Hämmer und Würfel durch das Publikum, das sich von Robb Flynn bereitwillig spielen lässt. Er scheint gut drauf, lobt den wilden Osten, und schließt das Konzert mit "Halo" etwas überpünktlich ab. Ein Wehmutstropfen, doch viele Besucher dürfen ein Andenken mit Heim nehmen. Ob sich Machine Head für den Auftritt in Wacken am Folgetag ausruhen oder die durchaus durchchoreografierte Show keine weitere Zuageb erlaubte, werden wir wohl nie erfahren. 

Die Füße tun schon etwas weh, doch als es zu Regnen anfängt gibt es nur einen Weg: Ab ins Zelt zu Benediction, die die Knüppelnacht eröffnen. Wir sehen Benediction, die solide abliefern und freuen usn auf Krisiun, die auf uns schon vor vielen Jahren an gleicher Stelle Eindruck gemacht haben. Sie bringen auch viele Songs, die bestimmt schon einmal über Roitzschjoras Acker gehallt sind und zeigen, dass sich melodische Gitarrensoli und Knüppelnacht nicht unbedingt beißen. Das Zelt leert sich, als Asagraum female fronted Black Metal präsentieren. Zwar spielen Sängerin Obscura regelmäßig Konzerte, doch zählt das Full Rewind festival zu den wenigen auserwählten in Deutschland, auf dem sich das ehemals One-Woman-Projekt die Ehre gibt. Als Trio schaffen sie es live nicht vollends, die Zuschauer in den Bann zu ziehen und so vergehen die Minuten langsam. Doch auf 1349 freuen sich einige Besucher hier, denn die Norweger spielen nicht zu viele Konzerte. Den (für uns) guten Einfluss von Tom "Warrior" Gabriel Fischer auf die Band, hörten wir dank scheppernden Blasts und doomigen Momenten. Stimmlich stark, erinnerungswürdig im Auftreten, 1349 boten einen guten Abschluss für diese Nacht.

Samstag

Noch etwas müde schälen wir uns aus dem Bett, verdrehen etwas die Augen denn heute wird nochmal anstrengend. Also schnell Wischi Waschi am See und ab ins Bandshirt! Wir wollen Cabal sehen, die Death Core Band aus Dänemark, um die man in den letzten Jahren kaum drumherum kam. Und tatsächlich ballern die Dänen uns weg, auch dank Andreas Bjulver mit seiner herausragenden Bühnenpräsenz. Wir werden von diesen Jungs, die bereits mit Matt Heafy von Trivium oder Joe Bad von Fit For An Autopsy gearbeitet haben, sicher noch viel hören!

Schonmal gehört hatten wir Ektromorf, die bereits beim Auftakt 2024 und auch in diesem Jahr im Line-Up standen. Immer ein bisschen zwischen "drüber" und "Auf die zwölf" empfinden wir die Jungs, diesmal gab es eher den "Auf die zwölf"-Moment. Der diesmal gut gelaunte Zoltán Farkas kennt das Rewind und vorallem die Bühne hier am Flugplatz gut, waren sie auch früher beim Full Force oft hier zu Gast. Sie zündeten mit Songs wie "Gypsy", "I'm Against" oder "Outcast" einige Circle Pits an und waren gute Einstimmung auf die nach ihnen die Bühne betretenden Walls Of Jericho. 

Doch vorher machten wir noch einen Pflichtbesuch im Zelt, wo die Rykers sich ebenso erneut die Ehre gaben. Nach einem sympathischen Eröffnungsgig 2024 feierten die Kasseler erneut mit dem Publikum und wir grinsen mit den Hardcore-Helden im Kreis.

Doch kommen wir zu Candace Kuysulain und Walls Of Jericho. Wir lieben nicht nur das kleine Energiepaket, sondern auch die Songs der US-Amerikaner. Während das Publikum am lautesten zum Happy-Birthday für die herzliche Front-Frau singt, die auf dem Acker eine Torte überreicht bekommt, reißt sie selbst zu "All Hail The Dead" oder "There's No I in Fuck You" alles ab. Energiegeladen, gut drauf, wahnsinnig eng am Publikum - Walls Of Jericho sind live immer wieder eine Sensation!

Passend zur inzwischen untergehenden Sonne kommen Hypocrisy auf die Bühne. Zwischen End Of Disclosure und Roswell 47 liefern Peter Tägtren solide ab. Gedankt wurde es ihnen von einem dezimierten aber begeisterten Publikum. Als Tätgren ein Alien darin ortete, bat er es auf die Bühne für ein irrwitziges Bild zwischen den starken und atmosphärischen Melodic Death Metal Songs. 

Es kommt uns an diesem Samstag so vor, als haben die Hardcore-Fans tatsächlich die Überzahl. Wir schauen zu Perkele ins Zelt und hier ist es voll, wenn auch nicht zu brechend. Wir ruhen nochmal kurz, denn Ministry ist ein seltenes Highlight, das wir nicht verpassen wollen. Im Regen warten wir auf Al Jougensen und den Rest der Industrial-Veteranen, die kurze Zeit später in Grün getaucht die Bühne betreten. Eine psychedelische Videoshow, der futuristische Mikrofonständer, ein Hut mit breiter Krampe und Songs wie "Thieves", "Jesus Built My Hotrod", "N.W.O." oder "So What" machen diesen Auftritt zu einem Highlight des diesjährigen Full Rewind. Auch wenn die große Menge sich bereits vor dem Auftritt der Amerikaner verabschiedet hat, denen die bleiben liefern sie eine tolle Show. Während sich die Band von der Bühne verabschiedet und nur noch die Drums erklingen, rauscht der Applaus durch das Publikum, während Zugabe-Rufe unbeantwortet bleiben. 

It's A Wrap

Während wir uns vor der Bühne mit alten Freunden treffen und langsam von den Securitys nach draußen gebeten werden, sind wir selig. Ja, das Full Rewind ist anstrengend, mobile Toiletten bei 30 Grad oder im Dunkeln nachts blöd und Absinth kann einem echt einen Schädel zaubern. Aber insgesamt ist das Full Rewind eins der entspanntesten Festivals, die wir kennen. Rund 5000 Besucher waren es, mit denen die Macher rechneten, so war es vor der Bühne nie zu dicht und selten zu leer. Vielleicht auch, weil sich Hardcore und Metal oft abwechseln und unterschiedliche Themen an unterschiedlichen Orten stattfinden. Dabei sind die Bands so hochkarätig, dass auch ein eingeschworener Hardcore-Fan mal eine Metal-Band anschaut und ein Metaller mal im Moshpit zu Agnostic Front rumturnt. Immer freundliche Sicherheitskräfte, leere Fotografen-Gräben und nette Worte zwischen ihnen und den Aufpassern, gut gelauntes Tresenpersonal - das alles zog sich über das gesamte Wochenende. Statt zwischen 85.000 Leuten auf dem Wacken 30 Bands in 5 Tagen zu sehen, sehen wir hier locker 20 in 3 Tagen, verbringen weniger Zeit mit Anstehen oder auf kilometerlangen Pfaden. Und fahren nur halb so zerstört nach Hause. Einzig, dass man uns mitten beim Frühstück darauf hinwies, dass wir 15 Minuten später den Platz verlassen müssten, störte die Idylle etwas. Dies wurde uns, zugegeben, genauso von den Machern angekündigt, wie In Flames, die als erster Headliner für 2026 benannt wurden. Wir freuen uns auf die Schweden und können wir im letzten Jahr nur sagen: Danke FULL REWIND, uns werdet ihr nicht so schnell wieder los. 

 

Wer so viel Harmonie, tolle Bands und ostdeutsches Bier auch genießen will, hat 2026 wieder die Chance:

Was? FULL REWIND Summer Open Air

Wann? 30.07. - 01.08.2026

Wo? Flugplatz Roitzschjora

Infos und Tickets: www.full-rewind.de oder Eventim.de

 

 

 

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