| Eisbrecher + Lord of the Lost |
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Bericht zum Konzert am 17.02.2012, Alter Schlachthof - Dresden Angesichts klirrender Kälte in den letzten Wochen und allerorts zugefrorener Seen und Flüsse könnte ein Bandname kaum passender sein: Eisbrecher haben sich aufgemacht, dem Publikum auf ihrer aktuellen Deutschland-Expedition ordentlich einzuheizen und ihnen mit Volldampf die Kälte aus den Knochen zu vertreiben. Am vergangenen Freitag ankerten die bayerischen NDH-Piraten vor Dresden – mit ihnen an Bord: die vom Käpt’n Alexx Wesselksy höchst selbst als „sexy boys aus St. Pauli“ angekündigten Lord of the Lost. Hier mag der Bandname etwas irritieren, denn von Verlorenheit fehlt jede Spur: unter dem Motto „Volle Kraft voraus!“ legen die Hamburger eine Menge Spielfreude an den Tag und haben mit ihrem ebenso kraftvollen wie eingängigen „pussy wetting Goth Rock“ in den letzten zwei Jahren zahlreiche Fans für sich gewinnen können. Auch an diesem Abend schaffen sie es, die über 2.000 Besucher mit einer überzeugenden Mischung aus Songs ihrer zwei bisherigen Alben und drei gerade erst veröffentlichten Stücken mitzureißen. Einzig die in Zusammenarbeit mit dem Eisbrecher-Kapitän entstandene, Tour-exklusive Zugabe „Eure Siege“ vermag vor allem wegen der für LotL ungewohnt unsexy wirkenden deutschen Lyrics nicht wirklich zu überzeugen. Alles in allem dennoch ein wirklich runder Auftritt, der die Rufe nach der nächsten Headliner-Tour mit Sicherheit lauter werden lassen dürfte. Nach der Umbaupause übernehmen Eisbrecher das Kommando und setzen die Segel in Richtung "Elektronischen Trip-Rock". Die nächsten 1,5 Stunden haben sie ihr Publikum fest im Griff, ohne auch nur ein einziges Mal das Ruder herumreißen zu müssen. Ihr Kurs: eine wilde Reise quer durch fünf Alben mit allerlei alten (u.a. „Antikörper“, „Schwarze Witwe“, „Vergissmeinnicht“) und neuen Hörenswürdigkeiten (u.a. „Verrückt“, „Engel“, „Prototyp“, „Herz aus Eis“). Herzlich willkommen auf dem „Exzess Express“! Wer in dem lautstark mitgesungenen „Amok“ das Vorzeichen einer beginnenden Meuterei oder gar dem Ende dieser Reise sieht, liegt leider völlig falsch: die Eisbrecher-Maschine beginnt gerade erst, sich warmzulaufen und stampft unermüdlich weiter. Auch das Unterhaltungsprogramm an Bord des Eisbrechers lässt (vor allem die Lachmuskeln) nicht kalt: vom an Michael Hirte erinnernden „This is deutsch“-Intro auf der Mundharmonika, über missglückte Zaubertricks, bis hin zu Akustikversionen von „Tränen lügen nicht“ und der inoffiziellen Freistaat-Hymne „Sing mei Sachse sing“ ist alles dabei und sorgt für gute Laune bei Crew und Passagieren gleichermaßen. Nein, von einer „Höllentour“ kann hier wirklich nicht die Rede sein. Und doch gilt auch für einen Abend mit Eisbrecher das, was für jeden Urlaub gilt: irgendwann ist auch die schönste Reise mal vorbei. Und so verabschiedet sich der musikalische Erfolgsdampfer mit einem letzten „Die Hölle muss warten“ in die Nacht. Und wir? Wir warten mit. Auf die nächste Tour. Text: Anja H. Eisbrecher "Höllentour" 2012 23.02 D- München | Backstage Werk |


